Was hat Video-Streaming mit dem Klima zu tun?

Was hat Video-Streaming mit dem Klima zu tun?

#StayTheFuckHome #BleibtZuhause #FlattenTheCurve – In diesen Tagen können wir den größten Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie dadurch leisten, indem wir zu Hause bleiben. Statt mit Freunden die Lieblings-Cafés unsicher zu machen oder einen neuen, heißen Restaurant-Tipp auszuprobieren, sind wir plötzlich an unsere Couch gefesselt. Was liegt da näher, als eine Folge nach der nächsten zu streamen?


Aber wusstest du, dass eins unserer liebsten Hobbys eine wahre Klimasünde ist und „Netflixen“ und „Binge-Watching“ indirekt die Klimaerwärmung anheizen? Wir haben uns mit den Hintergründen auseinandergesetzt und 5 Punkte abgeleitet, an denen jede*r von uns ansetzen kann, um die CO2-Emissionen, die beim Video-Streaming entstehen, zu reduzieren.

Streamen, Netflixen, Binge-Watchen – das Problem

Im Jahr 2018 waren es laut einer Studie von „The Shift Project“ 300 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, die allein durch Video-Streaming verursacht worden sind. So viel CO2 emittiert Spanien in einem ganzen Jahr, was wiederum 1% der globalen Emissionen entspricht.

Der Grund: Es werden riesige Mengen an Energie benötigt, um die enormen Rechenleistungen zu bewältigen und die Systeme zu kühlen. Zwar wird die Datenübertragung immer effizienter, gleichzeitig steigen jedoch die Ansprüche an die Auflösung – 4k ist schon längst keine Seltenheit mehr. Und wer will den neuen Blockbuster schon in geringerer Qualität sehen? Genau.

Wie setzt sich unser Video-Konsum zusammen?

Geschätzt wird, dass Videos 80% des weltweiten Datenverkehrs im Internet ausmachen:

• 34 % „VoD“, Video-on-Demand-Services, wie z. B. Netflix oder Amazon Prime
27 % „Pornography“, z. B. Plattformen wie YouPorn
21 % „Tubes“, z. B. Video-Plattformen wie YouTube
20 % „Live“, z. B. TV oder Skype
18 % „Andere“, z. B. Videos auf Facebook, Instagram oder TikTok

Wie können die CO2-Emissionen insgesamt reduziert werden?

Um die Klimabilanz von Video-Streaming zu verbessern, sollten große Anbieter, wie z. B. Netflix und Amazon Prime verstärkt auf regenerative Energiequellen setzen und die Rechenzentren mit Ökostrom betreiben. Wie sich der Strom-Mix zusammensetzt, hat Greenpeace in der Studie „Clicking Clean“ untersucht, welche in 2017 veröffentlicht wurde. Ein deutlicher Teil des Energiebedarfs wird demnach bei vielen Plattformen und Diensten durch Kohlestrom gedeckt.

Eine weitere Idee wäre, statt wie bisher mit Luft, verstärkt auf eine Wasserkühlung der Server zu setzen, um die Abwärme nutzbar zu machen. Zum Beispiel zum Heizen von Gebäuden oder nahegelegener Einrichtungen, wie z. B. Schwimmbäder oder auch Gewächshäuser. Die dafür benötigte Infrastruktur müsste jedoch schon während des Baus neuer Rechenzentren berücksichtigt werden.

Was kannst du konkret tun?

Nicht Netflixen ist für viele sicherlich auch keine Lösung. Muss und soll es auch gar nicht. Denn die Digitalisierung ist da und wird noch viel stärker in unser Leben treten – die Frage ist, wie wir damit umgehen.

Digitalisierung braucht Regeln, um zum Chancentreiber von Wohlstand, Gerechtigkeit und Umwelt zu werden. Jedem Algorithmus muss Umweltschutz eingepflanzt werden. Dazu brauchen wir einen Ordnungs- und Handlungsrahmen.

Svenja Schulze, Gastkommentar im Handelsblatt vom 6.5.2019

Es braucht darüber hinaus aber auch keine Rocket Science, um den Datenvolumina, die da täglich durch unsere Leitungen rauschen, Einheit zu gebieten.

Unsere 5 Tipps, um den Video-Konsum zu reduzieren:

  1. Entscheidungen treffen: Das Zappen von Serie zu Serie ohne dann doch wirklich eine Folge zu gucken, geht einem doch selbst auf die Nerven, oder? Auch wenn’s schwer fällt: Versuch dich zu entscheiden.
  2. Fokus setzen: Wie schwer ist es bitte geworden, einer Sache die volle Aufmerksamkeit zu schenken? Richtig. Und wer hätte es gedacht: Filme und Serien gucken können ein wahrer Lehrmeister sein, nicht parallel noch das halbe Internet abzusurfen.
  3. Bescheidenheit üben: Muss es wirklich ein größerer Bildschirm sein? Ein neuer Fernseher, der jetzt auch 8k kann? Kleinere Geräte brauchen eine geringere Auflösung. Und unterwegs sind sie allemal viel praktischer.
  4. Alternativen wählen: Wann hast du das letzte Mal ein wirklich tolles Buch gelesen? Das dich gefesselt, das Kopfkino angeschmissen und dich irgendwie glücklich und zufrieden gemacht hat? Keine Frage, es erfordert mehr Anstrengung, weil unsere volle Aufmerksamkeit gefordert ist (womit wir wieder beim Fokus wären). Aber wäre es nicht eine schöne Ergänzung?
  5. Streaming fasten: Komplett auf Video-Streaming zu verzichten, ist keine Dauerlösung. Es kann aber eine spannende Idee für die Fastenzeit oder als „Monatschallenge“ sein, denn es übt uns in Besinnung und Achtsamkeit. Manche kombinieren es sogar mit einer 30- bzw. 40-tägigen Social-Media oder gar Internet-Abstinenz. Übrigens auch eine tolle Sache, die man mal im Urlaub ausprobieren kann, sobald das denn wieder geht. (Anfang des Jahres übrigens während eines Norwegen-Trips selbst erprobt und als gut befunden!)

Be smart:

Nicht nur das Streamen von Videos trägt durch CO2-Emissionen zur Klimaerwärmung bei, auch die Digitalisierung selbst: Knapp 4% gehen auf digitale Geräte zurück. Das Internet benötigt laut Schätzungen 10% des weltweiten Strombedarfs. Auf Deutschland bezogen sind das 33 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

Quellen: utopia.de, deutschlandfunk.de


Sicher habt auch ihr schon gute Alternativen zum Serien-Schauen gefunden und erprobt: Wie gestaltet ihr aktuell eure Freizeit? Was sind Must-Do’s, die man mal ausprobieren sollte?

Wir freuen uns auf eure Tipps!

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